Eine Definition

1884 war sich der Psychiater Charles H. Hughes unsicher: Sind die von ihm beobachteten Verhaltensweisen seiner Patienten neurotisch (behandelbar) oder psychotisch-schizophren (nicht behandelbar)? So wählte er den Begriff Borderline (deutsch: Grenzlinie) für Symptome, die zwischen den damaligen diagnostischen Grenzen lagen.

 

Das gestörte Selbstbild

 

Dies ist seit 2005 anders: Die Nähe zum schizophrenen Formenkreis ist erstens widerlegt. Zweitens ermöglichen die modernen medizinischen Verschlüsselungssysteme (DSM-5, DMS-5 Alternativ-Modell sowie ICD-10) eine Diagnose, da sie die Erlebens- und Verhaltensmuster der Betroffenen beschreiben.

 

Im Kern geht es bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung heute darum, dass das Selbstbild gestört ist – und als Folge auch alle sozialen Beziehungen. Dabei sind die Erscheinungsbilder so facettenreich (von Depressionen, Ängsten und selbstverletzendem Verhalten bis zur extremen Impulsivität und psychischen Instabilität), dass selbst Experten die Erkrankung manchmal erst nach längerer Behandlungszeit bei ihren Patienten diagnostizieren können.

 

Und die Ursache? Die Wissenschaft geht davon aus, dass drei Faktoren an der Entstehung beteiligt sind: die genetische Veranlagung, neurologische Vorgänge und Umwelteinflüsse (zum Beispiel traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit). Mehr dazu hier.

 

Borderline ist therapierbar

 

Auch wenn es Therapeuten gibt, die auf Betroffene ablehnend reagieren (da diese häufig manipulativ reagieren und nur zeitaufwändig behandelbar sind): Es gibt engagierte Fachleute, die mit psychotherapeutischen, psychodynamischen und verhaltenstherapeutischen Methoden (hier ist die dialektisch-behaviorale besonders erfolgreich) unseren Nahestehenden helfen können. Denn entgegen früherer Annahmen geht die Wissenschaft davon aus, dass die BPS therapierbar ist. Voraussetzungen sind jedoch, dass die Betroffenen erstens Einsicht in ihre Erkrankung sowie zweitens den Mut haben, an ihren Verhaltensstörungen und Ängsten zu arbeiten.

 

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